Start Health MYTHOS MÄNNERGRIPPE: gibt es so was überhaupt und sind Männer tatsächlich wehleidiger?

MYTHOS MÄNNERGRIPPE: gibt es so was überhaupt und sind Männer tatsächlich wehleidiger?

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Ich muss mal einen Stab brechen für uns Männer. Mich persönlich haben Sprüche, die auf mangelnder Information und einer Mischung aus Schadenfreude und Boshaftigkeit basieren, schon immer gestört – und zwar von Männern UND Frauen.

So auch die pauschale Behauptung, dass Männer wehleidiger als Frauen seien, und sich dies schon bei leichten Infekten zeige. Es gibt keinerlei tatsächlichen Belege im Leben, dass ALLE Männer wehleidiger sind, als ALLE Frauen. Ich halte pauschale Aussagen immer für falsch. Es handelt sich bei solchen Bemerkungen um das Pendant zu dümmlichen Stammtischsprüchen wie: „Frau und Technik – zwei Welten prallen aufeinander“, oder: „alle Frauen übertreiben ihre Menstruations- oder Wechseljahrbeschwerden“.

Es geht aber weiter: es wird (meist von Frauen) behauptet, Männer TUN nur so, als hätten sie eine echte Grippe oder schwere Erkältung. Die „Männergrippe“ sei also eine „nicht-existente Grippe“. Und das ist schlichtweg eine Falschbehauptung auf Basis mangelnder Information. Dazu komme ich gleich.

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Gibt es wehleidige Männer? Ja, ganz sicher, ich kenne welche. Gibt es wehleidige Frauen, OH JA; auch ganz sicher, ich kenne welche. Und was sagt das aus? Es gibt halt wehleidige MENSCHEN, so wie es robuste, widerstandsfähige Menschen gibt, und zwar unter Männern und Frauen. Es gibt vermutlich Männer, die täuschen eine Grippe nur vor, wie es wahrscheinlich Frauen gibt, die ihre weiblichen Beschwerden übertreiben oder vortäuschen. Aber wem nutzt eine solche Feststellung? An sich ist das völlig bedeutungslos. Zudem sind solche Behauptungen unbelegbar und also nur Gerüchte, und somit nicht gerade Feststellungen auf sonderlich hohem akademischen Niveau… oder?

Aber wie es denn nun mit der sogenannten „Männergrippe“?

Um das Geheimnis zu lüften: ES GIBT TATSÄCHLICH DIE „MÄNNERGRIPPE“! Na ja, es ist das absolut gleiche Virus für Männer und Frauen, aber Männer haben in Bezug auf Erkältungskrankheiten eine andere Disposition, als Frauen. Eine neue kanadische Studie hat dies detailliert untersucht. Danach ist die sogenannte „Männergrippe“ keine Scheingrippe, sondern es handelt sich um einen echten grippalen Infekt, wenn wir von „Männergrippe“ reden.

Die Forscher haben auch Ursachen dafür gefunden, warum Männer tatsächlich stärker von Erkältungs- und Grippeerkrankungen betroffen sind. Dies hat offenbar damit zu tun, dass die Immunreaktion bei ihnen schwächer als bei Frauen ausfällt.

Sind Männer einfach nur wehleidiger?

Statistisch betrachtet leidet jeder Mensch durchschnittlich ein- bis zweimal jährlich unter einer Erkältung. Männer scheinen die Infekte aber deutlich stärker zu beeinträchtigen.

Manche machen sich darüber lustig, weil das „starke Geschlecht“ angeblich wehleidiger sei. Andere verweisen jedoch völlig richtig darauf, dass die Infekte bei Männern ganz real intensiver ausfallen und sprechen von der sogenannten „Männergrippe“. Männer erwischt die Grippe in der Tat heftiger, als Frauen. Das hat keine psychologischen Gründe (Wehleidigkeit), sondern hormonelle und entwicklungsbiologische Gründe.

Zu sagen „Männer sind wehleidiger“, weil sie eine Erkältung härter trifft, wäre in etwa so, als würde man sagen „Frauen sind wehleidiger, weil sie menstruieren“. Darüber zu witzeln macht keinerlei Sinn. Im Gegenteil. Die Gründe für BEIDES sind nämlich gleich!

WARUM trifft Männer eine Erkältung stärker, als Frauen?

Dr. Kyle Sue von der Memorial University of Newfoundland im kanadischen St John’s hat sich nun damit beschäftigt, ob die Männergrippe möglicherweise als eigenes Krankheitsbild anzusehen ist. Das Ergebnis seiner Untersuchung wurde nun in der Weihnachtsausgabe des Fachmagazins „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht.

„Überraschenderweise gibt es bereits viele Studien zu diesem Thema, von Mausstudien über Reagenzglas-Studien bis hin zu Studien am Menschen“, sagte Dr. Sue in einer Mitteilung der Universität. Aber: „Keine wissenschaftliche Überprüfung hat bislang untersucht, ob der Begriff „Männergrippe“ angemessen definiert oder nur ein tief verwurzelter abwertender Begriff ohne wissenschaftliche Grundlage ist“, so der Studienautor.

Größeres Risiko für Krankenhaus-Einweisungen und höhere Sterberate

Bei der Auswertung mehrerer Studien stellte Dr. Sue fest, dass an Grippe erkrankte Männer tatsächlich ein größeres Risiko für Krankenhaus-Einweisungen und eine höhere Sterberate haben als Frauen im gleichen Alter. Das sind also reale statistische Werte: Männer erleiden ganz real deutlich stärkere Effekte von grippalen Erkrankungen.

Auch bei vielen anderen akuten Atemwegserkrankungen ist, auf Grundlage der Ergebnisse, das männliche Geschlecht anfälliger für Komplikationen und einen tödlichen Verlauf. Und weil dies so ist, dürfen Männer sich auch durch unintellektuelle Sprüche nicht in die Ecke drängen lassen. Männer haben ein VITALES Interesse, ihre Gesundheitsbedürfnisse deutlich zu machen und sich entsprechend zu umsorgen, und für sich selbst einzustehen! Ich kann nichts Witziges daran erkennen, dass Männer dieses erhöhte Risiko haben. Ganz im GEGENTEIL.

Der kanadische Wissenschaftler liefert auch eine wahrscheinliche Erklärung für diese männliche Disposition: Laut verschiedenen Untersuchungen ist die Immunabwehr von Männern weniger stark.

„Die aktuellen Belege deuten darauf hin, dass Männer ein schwächeres Immunsystem haben, als Frauen, was zu verstärkten und länger anhaltenden Symptomen führt, wenn sie mit Erkältung oder Grippe konfrontiert werden“, erklärte Dr. Sue. Das Krankheitsbild „Männergrippe“ ist demnach biologisch real und erklärbar.

Ursache: Hormonelle Unterschiede

Ursache dafür sind hormonelle Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Denn laut Studie sind höhere Östrogenspiegel (weibliche Sexualhormone) mit stärkeren Immunreaktionen verbunden, während höhere Testosteronspiegel (männliche Sexualhormone) das Gegenteil bewirken. Männer UND Frauen haben BEIDE Hormone in sich. So können manche Männer „weiblicher“ sein, und manche Frauen „männlicher“. Die Balance zwischen den Hormonen ist dabei ausschlaggebend, wie stark das Immunsystem reagiert.

Für Männer lautet die unschöne Erkenntnis: je „männlicher“ ein Mann ist (durch mehr Testosteron), desto anfälliger ist er u.a. für Erkältungen.

Für sogenannte „Alpha-Männer“ ist das bitter. Nicht nur begünstigt mehr Testosteron den Haarausfall, und kann die Spermienproduktion senken, sondern auch die Erkältungsanfälligkeit erhöhen. Dieser geschlechtliche Unterschied pendelt sich durch die Wechseljahren aus, wenn der Östrogenspiegel bei den Frauen sinkt.

Laut dem kanadischen Forscher ist dieses stärkere Immunsystem jedoch nicht immer von Vorteil für Frauen. Denn bei Autoimmunkrankheiten, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen angreift, sind Frauen anfälliger. Darum haben Frauen typischerweise wieder eine Reihe Beschwerden in Bezug auf das Immunsystem, die Männer weniger betreffen.

Auch DAZU gibt es ja eine Reihe wenig geistreicher Witze seitens mancher Männer über reifere Frauen und ihre Beschwerden. Es ist aber eben NICHT so, dass Frauen wehleidiger werden, sondern es sind echte, biologisch begründete Probleme. Frauen wissen das auch nur allzu gut. Darum sollten sie eigentlich auch leicht nachvollziehen können – unter Berücksichtigung dieser Forschungsergebnisse – dass Männer wegen ihrer hormonellen Disposition nun einmal mehr leiden müssen unter grippalen Infekten.

Evolutionäre Gründe

Dr. Sue zufolge deuten eine Reihe Forschungsergebnisse darauf hin, dass die Immununterschiede zwischen Männern und Frauen in der Evolution begründet sind. Weniger in das Immunsystem zu investieren, erlaubte den Männern, mehr Energie in andere wichtige biologische Prozesse zu stecken – etwa in Muskelwachstum oder Fortpflanzung.

Der Studienautor wies aber auch darauf hin, dass seine bisherigen Ergebnisse noch nicht als endgültig angesehen werden könnten. Weitere Untersuchungen seien erforderlich, um weitere Faktoren exakter zu untersuchen, wie beispielsweise die Raucher- und Trinkraten oder die Bereitschaft, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. Im Verhalten von Männern und Frauen gibt es da Unterschiede, deren Einflüsse noch untersucht werden müssen.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, dass männerfreundliche Räume mit riesigen Fernsehern und Liegestühlen ausgestattet werden, wo Männer sich von den schwächenden Auswirkungen der Grippe in Sicherheit und Komfort erholen können“, so Dr. Sue. Steht Männern UND Frauen nicht ein gewisses Entgegenkommen zu?

Ich selbst kann nur hinzufügen, dass in der Tat MEHR VERSTÄNDNIS und MITGEFÜHL in unserer Gesellschaft nötig sind. Es gibt wahrhaftig ausreichend Stressfaktoren in unserem Leben, und diese Neigung, dem Problem mit herablassenden Bemerkungen noch eine Krone aufsetzen zu müssen, ist für mich eher ein fieses Verhalten, das manche Menschen genüsslich auskosten. Männer, wie Frauen. Ich habe wenig Verständnis dafür.

Man sagt „Schadenfreude ist die beste Freude…“ – aber ich sehe darin eher einen nicht ganz so tollen Charakterzug in Menschen. Die Notwendigkeit, sich über das Leid Anderer lustig zu machen, um sich selbst besser zu fühlen, ist aus meiner Sicht keine wirkliche tolle Auszeichnung.

Sind wir doch mal ehrlich: wem tut es denn nicht gut, ein wenig betüttelt zu werden, wenn es Einem schlecht geht? Warum soll man Anderen das nicht gönnen, WENN es so wäre? Beim Thema „Männergrippe“ stellt sich nun heraus, dass in DIESEM Punkt Männer stärker betroffen sind. Es gibt andere Bereiche, in denen sind Frauen stärker betroffen. Aber ist das Grund für Belustigung? Wie gesagt: Stress existiert schon genug, und mit Gehässigkeit VERGIFTET man sein eigenes Leben ebenso sehr, wie das der Anderen.

Menschen mit einem harmonischen Seelenleben neigen aus meiner Lebenserfahrung heraus nicht zur Boshaftigkeit. Dafür gibt es auch einen Grund… denn wie sagte Buddha so richtig: „Andere Menschen zu beleidigen oder zu erniedrigen, ist, als würdest du ihnen glühende Kohlen hinterher werfen. Am Ende verbrennst du nur deine eigene Hand…“.

Und ist es wirklich so wahnsinnig wichtig, ob ein Mensch – ob Mann oder Frau – etwas „wehleidiger“ ist, als Andere? Ich halte mich nicht für wehleidig, aber ich gebe sehr gerne zu, dass WENN es mir nicht gut geht, dann kann ich liebevolle Zuwendung durchaus zu schätzen wissen 🙂 Was meinst du dazu? Geht es dir nicht auch so? Nicht vergessen: ALL WE NEED IS LOVE 🙂

Peace out, Freunde, und liebe Grüsse Mike Malak

follow me on Facebook – Coach für emotionale und spirituelle Heilung – Healing Practicioner (Ausbildung Heilpraktiker Psychotherapie), Seelsorger (Evangelisch-Theologische Fakultät Uni Strassburg, Frankreich, mit Schwerpunkt auf vergleichende Religionslehre und Seelsorge), langjähriges Studium der Philosophie und Coach für Bewegung und Selbstverteidigung

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