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LANGSAM, aber sicher – wie entschleunigte Kommunikation das Leben erleichtert und zugleich den Austausch bereichert

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Das Setzen von Grenzen in der digitalen Kommunikation mindert die Notwendigkeit, immer sofort zu antworten, verringert die Wahrscheinlichkeit, den „falschen Ton“ zu treffen, und ermöglicht zudem deutlich sinnvollere Interaktionen.

Wann hast du zuletzt einen handgeschriebenen persönlichen Brief verschickt oder erhalten? Für Viele wird die Antwort sein: Schon ewig nicht mehr. Warum Stift zu Papier bringen, wenn man eine E-Mail absenden, eine schnelle WhatsApp schicken oder einfach eine schnelle Nachricht über soziale Medien eingeben kann, oder? Das ist ja auch viel schneller, weniger mühsam, und kostet nichts… aber ist all dies wirklich ein Vorteil? Ich wage mal das zu bezweifeln.

Wie Menschen korrespondieren, hat sich seit dem Aufkommen des Internets stark verändert. Daneben hat sich ein Gefühl der Dringlichkeit entwickelt, ja, sogar die Forderung nach sofortiger Beantwortung von Schreiben. So als hätten die Absender einer Nachricht das automatische Anrecht auf eine unmittelbare Antwort, so, als dürften SIE über deine Zeit bestimmen. Und die Anbieter der digitalen Apps erzeugen ganz bewusst dieses Gefühl, um für ihre geschäftlichen Zwecke Menschen an das Handy zu fesseln. Mich persönlich stört das ganz enorm. Ich möchte kein Handy-Zombie sein, und kein Sklave der in Wahrheit ganz „unsozialen“ Medien.

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Wir sind weit entfernt von den Zeiten, als die handgeschriebenen Briefe die Norm waren und es durchaus akzeptabel war, Tage oder sogar Wochen zu brauchen, um zu antworten. Paradoxerweise verlieh die alte Methode einem Schreiben so deutlich mehr Gewicht, sowohl inhaltlich (denn man hatte Zeit, um nachzudenken und seine Gedanken zu formulieren), als auch von der Bedeutung her, denn man musste sich etwas Mühe machen mit dem Schreiben.

Heutzutage hat sich dies in zahllose und oft nutzlose „messages“ verwandelt. Freunde, Familie und Kollegen kommunizieren über unzählige digitale und soziale Medienplattformen und senden sich Inhalte, die im Grunde häufig völlig sinnbefreit sind. Es wird vielfach gar Nichts mehr an echtem Inhalt vermittelt. Es wird auch immer weniger wirklich geantwortet, sondern oft nur „geliked“… und das ist in Wahrheit doch eher eine Erniedrigung, als eine Kommunikation.

Für einige hat dieser Wandel zum Digitalen einen Teil der Freude am Empfang von Mitteilungen, insbesondere der persönlichen Art, untergraben. Und das nicht, weil es nicht toll wäre, von Familie und Freunden zu hören. Der Druck liegt stattdessen in der (wenn auch nur wahrgenommenen) Anforderung, schnell, wenn nicht gar sofort zu antworten, was überwältigend und stressig werden kann. Dieser Zwang, und für Viele sogar die SUCHT, immer sofort überall zu reagieren und zu antworten, ist keine Kommunikation mehr. Häufig ist es ein sinnloses Ritual, eher Zwangshandlung statt wirklicher Austausch.

Natürlich erfordern bestimmte persönliche Nachrichten eine schnelle Reaktion – man sollte eine Einladung zum Abendessen für den nächsten Abend nicht ignorieren. Das wäre unhöflich. Aber nicht alles ist zeitkritisch. Warum also beginnen Menschen, die ein paar Stunden (und manchmal nur 30 Minuten) brauchen, um auf eine Nachricht zu antworten, ihre Nachricht oft mit einer Entschuldigung? „Es tut mir so leid für meine verspätete Antwort“ oder „Bitte entschuldige meine verspätete Antwort, ich war gerade so beschäftigt“ sind keine ungewöhnlichen Floskeln heutzutage. Daraus folgt, dass es eine empfundene Pflicht gibt, immer SOFORT verfügbar zu sein, um eine Frage zu beantworten oder auf einen Kommentar zu antworten.

Ich habe solches Verhalten vor 40 Jahren in Japan festgestellt. Da wurden Angestellte in Firmen verpflichtet, sich bereits nach dem 2. Telefonklingeln beim Anrufer zu entschuldigen, weil er warten musste… der Druck auf die Menschen ist heute noch viel grösser.

Auf den Druck reagieren

Dieses Gefühl wird durch Instant-Messaging-Apps verstärkt, die, wie der Name schon sagt, auf sofortigen und schnellen Austausch ausgelegt sind. Wie schon erwähnt, wollen Facebook und Co. Erreichen, dass Niemand mehr wagt, die App auszuschalten.

Die Teilnehmer sehen sogar, wann eine Nachricht erhalten oder gelesen wurde. Alle wissen dies, und so wird ein immenser Druck ausgeübt. Und dies erzeugt auf beiden Seiten riesigen Stress – wer die Nachricht sendet, wird in den Gedanken gedrängt „er/sie hat doch die Nachricht gelesen, wieso bekomme ich keine Antwort?“ und wer eine Nachricht erhält denkt oft „schon wieder eine Nachricht. Was soll ich nur wieder schreiben? Ich hab jetzt eigentlich grad keine Lust.“ Oder irgendetwas Etwas in dieser Richtung. Wo bitte soll der sittliche Nährwert in solch einer Form der „Kommunikation“ liegen, wenn sie Stress und negative Gefühlte beinhaltet?

Nachrichten werden in schneller Folge hin und her gefeuert, empfangen und gesendet. Wir können sehr schnell den Druck verspüren, um sofort zu antworten. Das kann bedeuten, dass man auf „Senden“ klickt, ohne das Geschriebene noch einmal zu lesen, was zu einer höheren Wahrscheinlichkeit unerwünschter Tippfehler und, was noch schlimmer ist, zu Fehlinterpretationen führt. Teil des Problems ist die „automatische Korrekturhilfe“, die oft genug alles Andere ist, als eine Hilfe.

Online-Kommunikation kann leicht missverstanden werden. Nachrichten klingen oft unhöflich und abrupt – man wollte schnell antworten, war aber zu beschäftigt, um auf eine detaillierte Erklärung einzugehen. Hinzu kommt das Fehlen visueller Hinweise. Wenn Menschen sich persönlich treffen, sind 70-95 Prozent der Kommunikation nonverbal. Ohne visuelle Hinweise erhöht sich das Potenzial für Missverständnisse. Dadurch wird digitale Kommunikation erheblich beschränkt oder problematisch.

Durch den Druck der so entstandenen Absicht, immer sehr schnell zu antworten (im geschäftlichen Bereich ist dies besonders extrem), können Probleme entstehen. Früher habe ich mich beeilt, auf jede Nachricht zu antworten. Es fühlte sich an, als wäre ich höflich, aber ich stellte fest, dass die Qualität meiner Antworten stark abnahm, je schneller ich antwortete. Ich habe nicht richtig darüber nachgedacht, was die andere Person gesagt oder gefragt hat. Ich habe nicht mehr ausreichend korrekturgelesen.

Ich habe nicht den besten Inhalt in meinen Nachrichten geboten, der möglich war. Ich habe nur dem Zeitdruck nachgegeben. Und mir wurde bewusst, dass dies die Qualität und die Bedeutung meiner Antwort einen großes Stück geraubt hat.


Ändere das Tempo – schnell ist gar nicht vorteilhaft

Obwohl keine Form der schriftlichen Kommunikation jemals mit Gesprächen von Angesicht zu Angesicht identisch sein wird, kann es hilfreich sein, langsamer zu antworten und sich Zeit für die eigenen Worte zu nehmen, um sicherzustellen, dass ihre Bedeutung klar wird. Dem Zeitdruck nachzugeben heisst vielfach nur, die Kommunikationsqualität zu senken, und damit eigentlich die Zeit zu vergeuden.

Eine Möglichkeit, das Tempo zu verlangsamen, besteht darin, ein Zeitlimit zu setzen. Es ist ein Ansatz, der für Andy funktioniert hat. Man kann z.B. mindestens 15 Minuten warten, bevor man auf eine Nachricht antwortet. Bei wichtigen Nachrichten kann dies auch deutlich länger sein, 1 oder 2 Tage etwa. Sobald ich persönlich anfing, langsamer zu antworten, fing an zu überlegen, was ich schreiben würde, und überlegte, ob es angemessen und hilfreich war. So erhält jede Nachricht eine echte Bedeutung und wirklichen Wert.

Eine weitere Option besteht darin, jeden Tag regelmäßige Kommunikationsperioden einzuplanen und eine festgelegte Zeitspanne zum Lesen und Beantworten von Nachrichten einzuteilen. Es entschleunigt dein Leben ganz enorm und nimmt einen großen Stress aus deinem Leben, wenn du nicht mehr PAUSENLOS Nachrichten liest und beantwortest, sondern nur zu innerhalb einer begrenzten Zeitspanne – maximal 1 Stunde morgens, 1 Stunde abends z.B.

Deaktiviere dazu die Benachrichtigungen für eingegangene Nachrichten. Dies verringert den Druck, eine sofortige Antwort zu senden, und dich auf alle anstehenden Aufgaben zu konzentrieren. Das spezielle Zeitfenster bietet dir die Möglichkeit, Nachrichten in deinem Tempo und zu lesen und darauf zu antworten, anstatt sich den scheinbaren Anforderungen von Ping-Benachrichtigungen zu unterwerfen, die andere Aufgaben oder sogar das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigen.

Für mich persönlich hat sich dabei ergeben, dass meine Kommunikation bedeutsamer wurde. Ich benutze keine mobilen Apps, die den Stress und den Zwang eines Drucks auf sofortige Antwort generieren. Was solche Apps aus meiner Sicht überwiegend bewirken, ist zu viel unnützere Kommunikation, Nachrichten ohne wirklich Wert, Zeitfresser die in Wahrheit überhaupt keinen echten Nutzen bringen, wenn man sich den gesamten Tag über nutzt. Wer ähnlich fühlt, sollte solche Apps löschen. Die Social Media reden uns ein, diese Apps seien nützlich, aber Niemand braucht sie wirklich. Wenn sie dich belasten, lösche sie. Am besten jetzt gleich.

Sich einer digitalen Zeitkontrolle zu beugen, die überhaupt keinen Vorteil bringt, halte ich für sogar für schädlich, denn der Verlust und der Wert der Zeit an sich nimmt Lebensfreude und erzeugt schädlichen Stress. Stress aber macht krank. Sich ab und zu an digitalem Smalltalk zu beteiligen kann Ok sein, aber pausenlos und jeden Tag? Ich bezweifle für mich den Sinn darin ganz vehement.

Streng persönlich

Das betrifft sowohl berufliche, als auch private E-Mails. Regeln für erstere werden natürlich oft von einem Arbeitgeber festgelegt. Für letzteres ist es eine persönliche Entscheidung. Suche eine Strategie, die sich für dich am angemessensten und praktischsten anfühlt. Es kann auch hilfreich sein, Familie und Freunde zu bitten, dich nur über eine Methode oder Plattform zu kontaktieren und Erwartungen bezüglich des Zeitpunkts deiner Antworten zu einzuschränken.

Du kannst beispielsweise vorschlagen, dass man dich nur noch über eine bestimmte App kontaktiert, und dass du – sofern es sich nicht um einen Notfall handelt – innerhalb einiger Tage antworten wirst, wenn du ein Tablet oder einen Laptop zur Hand hast. Einige mögen das ungewöhnlich finden, daher kann es hilfreich sein zu erklären, dass du vorziehst, lieber in Ruhe über Nachrichten und deine Antworten nachzudenken, anstatt unter Zeitdruck schnell-schnell zu antworten.

Erkläre, dass du so der Kommunikation die volle Aufmerksamkeit schenken kannst, aber in dringenden Fällen auch sofort antworten wirst.
So kannst du auf Nachrichten tiefer eingehen, Fragen nach Wohlbefinden ernsthafter beantworten usw. Wichtig ist, dass dies auch die Notwendigkeit beseitigt, mit einer Entschuldigung zu beginnen, da du die Verzögerung deiner Antwort nicht erklären musst.

Man Leute entscheiden sich für eine alternative Kommunikationsform, eine Voicemail zum Beispiel kann sich viel wärmer und persönlicher anfühlen als eine getippte Nachricht. Dafür kann es hilfreich sein, sich vor dem Anruf Notizen zu machen, um sicherzustellen, dass du dich an alles erinnerst, was du erwähnen möchtest. So ist der Monolog durchdacht, komponiert, fast wie ein verbaler Brief.

Wenn dir E-Mail am besten erscheint, können lächelnde Emojis oder ein Ausrufezeichen anstelle eines aufgeregten Tonfalles deine Emotionen ausdrücken helfen. Es ist sehr ratsam ist, die erhaltene E-Mail (auf die du antwortest) noch einmal zu lesen und sicherzustellen, dass deine Antwort klar ist, und dass du auf alle angesprochenen Punkte antwortest. So gibt es Zweideutigkeiten in deiner Antwort.

Verbringe vielleicht einen Moment damit, darüber nachzudenken, wie du dich über die Nachricht fühlen würdest, wenn sie in deinem Posteingang landen würde. Könntest du den Subtext wahrnehmen? Könnte sich deine Nachricht unbeabsichtigt verletzend, bevormundend oder herrisch anfühlen? Gibt es Raum für Verwirrung? Stelle sicher, dass deine beabsichtigte Bedeutung klar ist. Sich die nötige Zeit zu nehmen für Antworten, ist dabei der entscheidende Schlüssel.


Wenn du immer noch unter Druck stehst, um schnell zu antworten, gibt es Möglichkeiten, sich etwas Luft zu verschaffen. Du kannst zum Beispiel „Lesebestätigungen“ für E-Mails deaktivieren oder die Einstellungen einer App ändern, sodass die Leute nicht sehen können, wann du darauf zugegriffen hast.

Wichtig ist, dass es keinen Grund gibt, die Tatsache zu verbergen, dass du eine Kommunikationsgrenze schaffen möchtest. Verheimliche diese Absicht nicht, das erzeugt eventuell nur falsche Gedanken bei den Leuten.

Sage Freunden und Familie offen und ehrlich, was du beabsichtigst und warum, und lasse sie gleichzeitig wissen, dass du dich immer verfügbar bist, wenn sie wegen dringender Dinge anrufen oder schreiben.

Wer weiß, vielleicht inspirierst du sogar andere, ihre eigenen Grenzen zu setzen, um Druck und Stress abzubauen. Das Schöne an diesem Ansatz ist, dass er das Potenzial für eine Rückkehr zu einer langsameren, aber überlegteren und wertvolleren Kommunikation hat, die das Leben erleichtert und zugleich bereichert.

WAS MAN STATT „ENTSCHULDIGUNG“ SAGEN KANN

Sich für eine nicht sofortige Antwort zu entschuldigen, könnte bedeuten, dass man selbst eine langsamere Kommunikation für negativ hält oder diesen Eindruck anderen vermittelt. Probiere diese stattdessen diese Formulierungen aus, um einen gemächlicheren Austausch zu normalisieren:
• Vielen Dank für deine Geduld. Ich habe mich über deine Nachricht sehr gefreut!
• Deine Nachricht hat meinen Tag verschönert und mich glücklich gemacht.
• Ich habe mir Gedanken über deine Zeilen und meine Antwort gemacht.
• Ich habe in den letzten Tagen reichlich über Nachricht nachgedacht.
• Vielen Dank für deine freundliche/nachdenkliche Nachricht. Es war sehr schön, von dir zu hören.
• Du warst die Tage über in meinen Gedanken.

Es gibt, abschließend gesagt, absolut Nichts an einem Austausch mit Smalltalk auszusetzen. Wenn dich dies glücklich macht, ist es auch der richtige Weg, auch wenn dies pausenlos täglich über die digitalen Apps erfolgt. Aber wenn du zu den vielen Menschen gehörst, die sich dadurch bedrängt und gestresst fühlen, oder wenn du innerlich fühlst, dass der Umgang mit echten Menschen und reale, bedeutungsvolle Kommunikation – sprich echte Gespräche – sehr viel besser wären, dann solltest du den Weg weg von der Überlastung durch „social“ media nehmen, und deine Art der Kommunikation entschleunigen.

DANKE für dein Interesse, bleibe gesund, auf bald und beste Wünsche, von MIKE MALAK

follow me on Facebook – Coach für emotionale und spirituelle Heilung – Atem-Coach – Healing Practicioner (Ausbildung Heilpraktiker Psychotherapie), Seelsorger (Evangelisch-Theologische Fakultät Uni Strassburg, Frankreich, mit Schwerpunkt auf vergleichende Religionslehre und Seelsorge), langjähriges Studium der Philosophie und Coach für Bewegung und Selbstverteidigung

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